Wenn alle Impfwilligen gleichzeitig geimpft werden könnten ...

Stellen wir uns nur mal vor, alle Impfwilligen würden tatsächlich alle am gleichen Tag geimpft, die Impfung würde tatsächlich für Immunität der geimpften Menschen sorgen, aber geimpfte Personen könnten das Virus durchaus weitergeben.

Das Ziel der Herdenimmunität - ich finde übrigens Gesellschaftsschutz besser - wäre erreicht und damit wären auch die Rechtsgrundlagen zur Einschränkung vieler Grundrechte für die Allgemeinheit aufgehoben. Die Regierungen in Bund und Ländern wären also gezwungen, die Normalität grundsätzlich bzw. weitgehend wieder herzustellen und alle gewohnten Freiheiten wieder zu ermöglichen.

Pauschal für Alle könnte das aber nicht gelten, denn es wären ja nicht alle Bürger immun!

Ca. 50 bis 60 Millionen Bundesbürger (geschätzt) könnten vollkommen zu Recht erwarten, dass sie - zumindest untereinander - wieder weitgehend frei und ohne nennenswerte Einschränkungen ihrer Grundrechte leben können, weil sie sich selbst und andere immune Personen nicht vor einer Infektion schützen müssen. Das gilt gleichermaßen sowohl für Konsum-Bürger und Arbeitnehmer, als auch für Gewerbetreibende und Arbeitgeber. Im Übrigen handelt es sich bei der Wahrnehmung der Grundrechte nicht um ein Privileg, sondern um einen verfassungsrechtlichen Anspruch, der sich aus dem Grundgesetz ergibt.

Ca. 20 bis 30 Millionen Bundesbürger wären weiterhin nicht immun, weil sie nicht geimpft werden dürfen, oder weil sie aus persönlichen Gründen, z.B. wegen fehlender Nachweise über Langzeitnebenwirkungen, eine Impfung abgelehnt haben. Diese Menschen müssten sich und andere im Grunde weiterhin vor einer Infektion schützen und können nicht einfordern oder erwarten, dass alle anderen sich weiterhin einschränken und auf ihre Grundrechte verzichten müssen. Sie können auch nicht erwarten, dass andere sie schützen müssen, insbesondere dann nicht, wenn sie selbst auch die Schutzmaßnahmen verweigern, die dem Eigenschutz dienen.

Dies ist vergleichbar mit dem Erwerb eines Führerscheines. Wer ihn machen möchte/darf, kann ihn erwerben und dann Auto fahren. Wer ihn nicht machen möchte/darf, erhält keine Fahrerlaubnis und darf deshalb auch kein Auto fahren. Man stelle sich nun vor, der Besitz einer Fahrerlaubnis und das damit verbundene Recht zum Führen eines Kraftfahrzeugs würde als rechtswidriges Privileg zum Nachteil der Menschen ohne Fahrerlaubnis eingestuft und alle Führerscheininhaber dürften kein Auto fahren, damit die Menschen ohne Führerschein nicht benachteiligt sind.



Es können aber nicht Alle gleichzeitg geimpft werden!

Es ist vollkommen normal und auch hinzunehmen, dass einige früher und andere erst später geimpft werden können. Nicht Jeder kann der Erste sein! Und wer sich gar nicht impfen lassen möchte, hat überhaupt keinen Grund, sich über die Reihenfolge zu beschweren.


Übergangsphase von 6 bis 9 Monaten

Real wird der Gesellschaftsschutz frühestens im Herbst erreicht werden können. Wir haben also eine Übergangsphase, mit zunehmender Immunität und einer zunehmenden Anzahl Bürger, denen die Grundrechte im Grunde nicht pauschal und bis zum letzten Tag verwehrt werden können. Daraus ergeben sich zwangsläufig stufenweise Lockerungen mit Vorteilen für alle bis dahin geimpften oder genesenen Personen und Nachteilen für Alle, die noch auf eine Impfung warten müssen.

Ja, es bleibt der schlechte Beigeschmack des Wartens auf eine Impfung. Aber mir fällt kein Weg ein, diesen zu beseitigen. Vielleicht hat ja jemand eine konstruktive Idee?



Selbstschutz vor Fremdschutz!

Gerade in der Übergangsphase muss m.E. zunehmend der Schwerpunkt auf Selbstschutz gelegt werden. Nur so könnten auch noch nicht geimpfte Bürger weitgehend an allen Lockerungen "auf eigenes Risiko" teilhaben. Ohne Selbstschutz würde es sonst wieder zu einem immensen Anstieg der Infektionszahlen kommen, und damit auch zu einer Überlastung des Gesundheitswesens und der Intensivstationen.