Vorwürfe und Kritik an die Nachrichten und Medien

Sorgt in Wahrheit nicht übertriebene Kritik an Mikrodetails für Frust und Angst vor Entscheidungen?

Ich erlebe insbesondere die privaten Medien, Berichterstattungen und die sozialen Netzwerke inzwischen nur noch als nervig. Corona von morgens bis abends, und jeder will seine inoffiziellen Insiderinformationen oder Bedenken natürlich als Erster präsentieren, interpretieren und umfassend spekulieren. Um möglichst schlagkräftige Headlines zu bekommen, wird aber auch jede noch so unwichtige Kleinigkeit zur Jahrhundertkrise aufgebauscht und in einer ganztägigen Endlosschleife mit zahlreichen Wiederholungen so präsentiert, als stünde der Weltuntergang bevor und gäbe es absolut nichts Wichtigeres. Über die Absicht von Jens Spahn, ab dem 1. März Selbsttests verfügbar zu machen, wurde bereits berichtet und spekuliert, bevor er diese Absicht überhaupt öffentlich erklärte. Offensichtlich lagen Insiderinformationen vor. Dass Jens Spahn danach von Angela Merkel eingebremst wurde, weil der geplante Termin aus organisatorischen Gründen und wegen fehlenden Zustimmungen der Länder um eine Woche verschoben werden musste, wurde dann als Totalversagen von Jens Spahn aufgebauscht.



Das Ergebnis dieser sensationsgierigen Berichterstattung

bekommen wir jetzt deutlich zu spüren. Kein Politiker nennt mehr einen konkreten Termin oder Plan und alle Entscheidungen werden verzögert, weil erst eine umfassende Machbarkeitsanalyse mit Organisationsplan und -struktur erstellt werden muss, um unter allen Umständen bereits im Vorfeld auszuschließen, dass bei der Realisierung etwas nicht funktionieren könnte. Natürlich müssen im Vorfeld auch erst alle erdenklichen Zustimmungen der Länder und Ministerien eingeholt werden.

Aber selbst das klappt nicht mehr, weil die Medien ihre geheimen und vermutlich gut bezahlten Informanten haben, die bereits in der Planungsphase Details über mögliche Ideen und Debatten übermitteln, über die dann schon vorab als Superschlagzeile mit Jahrhundertcharakter berichtet wird.



Entweder absolut perfekt, oder absolut ungeeignet

Wo ist denn das Problem, wenn bei Impfungen in Arztpraxen vielleicht auch mal jemand vor einer höher priorisierten Person geimpft wird, und die höher priorisierte Person deshalb vielleicht erst einen Termin 30 Minuten später hat? Wo ist denn das Problem, wenn sich jemand einen zweiten kostenlosen Schnelltest "rechtswidrig" erschleicht?

Die Tatsache, dass überwiegend private Medien wirklich nach jeder Nadel im Heuhaufen suchen, macht die Überbürokratie meines Erachtens erst erforderlich, weil zum Teil auch absolut ungerechtfertigte Schuldzuweisungen erfolgen und dazu dann Rechtfertigungen von der Politik erwartet werden.

Impfungen werden nicht nur verzögert, weil es an Impfstoffen fehlt. Die Überbürokratie mit veralteten Techniken im Impfprozess (möglichst viele Daten erfassen und handschriftlich einen Stapel Zettel ausfüllen ...) führt selbst dann zu erheblichen Verzögerungen, wenn Impfstoff und Personen mit Impftermin vorhanden sind und geimpft werden könnten!

Der wahre Hintergrund für die Überbürokratie ist doch, dass ein Medienvertreter bei einer Pressekonferenz vielleicht fragen könnte, warum eine bestimmte Person vor einer anderen Person geimpft wurde, obwohl die Person, die 30 Minuten warten musste doch gesagt hat, dass sie es eilig hat, und warum Jens Spahn oder Angela Merkel nicht unmittelbar eingeriffen und dies somit ausdrücklich unterstützt und deshalb auch zu verantworten haben?

Gerade jetzt - wo wichtige Wahlen anstehen - erzeugen die Medien mit ihren überflüssigen Spekulationen spaltende Meinungen, und deshalb werden die Politiker durch die Medien regelrecht genötigt, sich am Mainstream zu orientieren.



Es geht auch einfacher, aber nicht bei uns

Ich nehme es immer wieder gern als Beispiel: Bei IKEA nimmt man sich ein Glas oder eine Tasse und bezahlt einen Euro. Dann kann man sich im Verzehrbereich das Trinkgefäß auch mehrfach mit einem Getränk seiner Wahl füllen. Weit über 90% aller Gäste sind mit einem einzigen Getränk und ohne Nachschlag zufrieden. Die durch den vereinfachten Prozess eingesparten Kosten sind vielfach höher, als die Kosten, die durch Nachschlag entstehen oder durch marginal unterschiedliche Preise entstehen würden.

Bei deutschen Unternehmen und in der deutschen Politik geht das natürlich gar nicht! Wo kommen wir denn hin, wenn sich jemand ein zweites Glas nehmen könnte, ohne dafür bezahlen zu müssen? Da verursachen wir lieber vielfach höhere Kosten und Verzögerungen durch komplizierte und im Grunde vollkommen überflüssige Kontroll- und Verhinderungsmechanismen.